Erinnerungen an belastende Kindheitserfahrungen bleiben meist stabil
Stand: 21.10.2026
Wer über belastende Erfahrungen in der Kindheit spricht, hört manchmal den Einwand, solche Erinnerungen seien unzuverlässig. Eine internationale Auswertung von 49 Studien mit zusammen mehr als 38.000 Teilnehmenden ist dieser Frage nachgegangen. Verglichen wurde, ob Menschen bei einer erneuten Befragung, im Durchschnitt knapp zweieinhalb Jahre später, ähnliche Angaben über Gewalt oder Vernachlässigung in ihrer Kindheit machen. Das war überwiegend der Fall: Die Angaben stimmten insgesamt gut überein.
Weniger beständig waren Angaben über Vernachlässigung sowie Berichte von Kindern und Jugendlichen. Wenn sich eine Erzählung verändert, ist sie deshalb nicht falsch. Gerade fehlende Zuwendung wird oft erst später als belastend erkannt und in Worte gefasst, und auch Scham oder die Situation, in der jemand gefragt wird, können beeinflussen, was erzählt wird.
Für die Psychotherapie bedeutet das: Berichte über die eigene Kindheit verdienen es, ernst genommen zu werden, und Veränderungen darin dürfen in Ruhe verstanden werden. Die Studie bezieht sich auf Befragungen in der Forschung und lässt sich nicht direkt auf Gerichts- oder Ermittlungsverfahren übertragen.
Quellen
- Quelle: Jan Gysi, Newsletter „updates Psychotraumatologie“, 24.08.2026
- Originalstudie: Coleman, O., Al-Jaber, M., Aponsu, G., Stahl, D. & Danese, A. (2026). Stability of childhood maltreatment self-reports: A systematic review and meta-analysis. Nature Mental Health, 4(8).
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